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Buchrezensionen
Harpagophytum procumbens (Harp.), die Teufelskralle
| | Schuster, Bernd | | | Verlag für Homöopathie, Weilburg, 2001
Homöopathische Arzneimittelprüfung
ISBN 3980595846
Preis: 16.40 EURO
Die afrikanische Teufelskralle ist in der Phytotherapie bekannt als Mittel bei Gelenk- und Weichteilrheumatismus, bereits 1958 wurden an wissenschaftlichen Untersuchungen ihre starke entzündungshemmenden Eigenschaften entdeckt. Eine deutliche Besserung bei rheumatoider Arthritis ist dieser Pflanze zu verdanken. Unbekannt und unerforscht jedoch blieb, welche Wirkungen über diesen Indikationsbereich hinaus diese Pflanze noch in ihrem Wirkungsspektrum beinhaltet. Es stellt sich die Frage, wie diese Pflanze auf den menschlichen Organismus insgesamt wirkt. Hahnemann selbst ist es, der uns den Auftrag gibt, die krankmachende Kraft in der Arznei zu erforschen (§ 105), alle Befindensänderungen und krankhaften Symptome, die eine Arznei hervorbringen kann, am gesunden Menschen zu beobachten, um sie dann zur Heilung der möglichst ähnlichen natürlichen Krankheit einsetzen zu können (§ 106–108). Bernd Schuster hat sich wieder einmal aufgemacht, diesem Auftrag Hahnemanns nachzukommen und 16 PrüferInnen waren bereit, im Selbstversuch der Kraft dieser Wüstenpflanze zu begegnen. Das Ergebnis ist sehr interessant und es lohnt sich, sich mit dieser Arzneimittelprüfung intensiv auseinanderzusetzen. Bernd Schuster lehrt uns viel über diese Pflanze, die in der Wüste lebt, die tief ins Erdreich wachsende Pfahlwurzeln hat und die zusätzlich sekundäre Speicherwurzeln bzw. Speicherknollen entwickelt. So speichert die Teufelskralle Wasser und kann in der Wüste überleben. Aus dieser Speicherwurzel wird die Arznei zubereitet. Bernd Schuster versteht es, uns anhand der Signatur eine lebendige Begegnung mit der Pflanze zu ermöglichen, aber er bleibt an diesem Punkt nicht stehen. Immer wieder können wir anhand der Arzneimittelprüfung zu einem tieferen Verständnis gelangen. Besonders haben mich die Auswirkung im Gemütsbereich beeindruckt. Harpagophytum procumbens zeigt sich als eine Arznei für Menschen, die sich nach innen zurückgezogen haben, an nichts mehr freuen können, zu nichts mehr Lust haben und sich nur noch ins Bett verkriechen wollen. Eine Weltuntergangsstimmung tritt auf, das Gefühl "Abschied von der Welt zu nehmen oder nehmen zu müssen, ein wehmütiges Gefühl vom eigenen Ende, vom intensiven Erleben der letzten Tage". Auf der anderen Seite erscheint eine große Sehnsucht nach Wasser. Dies ist sehr bezeichnend, da die Pflanze ja Wasser speichern muss, um überleben zu können. Ein großer Bereich der aufgetretenen Symptome auf der körperlichen Ebene zeigen sich im Bereich von Rücken- Extremitäten- und Gliederschmerzen. Hier erhalten wir die Bestätigung der bereits bekannten Wirkungen der Teufelskralle. Einige kurze Beispiele: Steifigkeit im LWS/Sakral-Bereich, "wie ein Brett", "als ob der Rücken durchbricht", "wie eine Kneifzange". Handgelenke, Fingergelenke, Zehen, Knöchel, Schultern, Hüften reagieren mit Steifigkeit und starken Schmerzen. (Diese Blickwinkel auf die Arzneimittelprüfung sind nur kleine Beispiele, bitte machen Sie sich die Mühe, die Prüfung ganz zu lesen!) Nach der Dokumentation der Arzneimittelprüfung gibt Bernd Schuster eine Zusammenschau der Themen der Prüfung und schließt daran ein umfassendes Kapitel an, in dem wir die Teufelskralle in ihrer Ähnlichkeit und Differenzierung mit anderen Arzneien, die aus der Wurzel hergestellt werden, kennen lernen, immer unterlegt mit den entsprechenden Rubriken aus dem Repertorium. Erst danach stellt Bernd Schuster ein vorläufiges Arzneimittelbild zusammen und formuliert vorsichtig die zentrale Idee, die sich für ihn derzeit als "Unsicherheit mit dem Verlangen, sich zurückzuziehen" darstellt. Eine Falldarstellung aus der Praxis folgt, bei der Harp. einer Frau aufgrund ihrer Depressionen gegeben wurde, die aber keinerlei rheumatische Schmerzen hatte. Bereits nach vier Wochen war die Depression verschwunden. Allerdings können wir den Verlauf nur über sechs Wochen verfolgen. Das Ergebnis ist sehr gut, jedoch konnte ich aus der Falldarstellung nicht erkennen, was der genaue Hintergrund der Depression war. Deshalb bin ich persönlich an dieser Stelle vorsichtig mit einer Bewertung, zumal mir auch der Beobachtungszeitraum zu kurz ist. Ein umfassendes Repertorium mit 1143 Rubriken schließt das Buch ab. Diese Arzneimittelprüfung sollte von vielen Kolleginnen und Kollegen gelesen werden und ich bin heute schon gespannt auf die Erfahrungen, die wir in der Praxis damit machen.
Theresia Klotz
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